Agrarsoziale Gesellschaft e.V.

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Preisträger 2013

Erste „Solidarische Landwirtschaft“ in der Region Göttingen

Der Verein „Göttingen im Wandel“ und der Biolandbetrieb „Gärtnerhof Landolfshausen“ erhielten den Preis für ihr gemeinsames Projekt einer „Solidarischen Landwirtschaft“, das nach Meinung der Jury Nachhaltigkeit und Verbraucheraufklärung in der Landwirtschaft auf nachahmenswerte Weise verbindet.

Immer mehr Menschen schenken Herkunft und Qualität ihrer Lebensmittel größere Aufmerksamkeit. Gleichzeitig wird die Lage der Landwirte schwieriger: Steigende Anforderungen an Aussehen und Größe der Erzeugnisse und der Preisdruck des Handels machen vielen Höfen das wirtschaftliche Überleben schwer.

Bei der Solidarischen Landwirtschaft werden die Konsumenten zu Mit-Unternehmern. Während für den Landwirt Planungssicherheit im Mittelpunkt steht, wünschen sich die Kunden vor allem Transparenz in Produktion und Herkunft ihrer Lebensmittel. Auch der Aspekt solidarischen ökonomischen Handelns hat Bedeutung. Während in Japan, Frankreich, Großbritannien und den USA bereits viele tausend landwirtschaftliche Betriebe nach diesem Prinzip arbeiten, gibt es in Deutschland bislang nur einige wenige Höfe.

Anfang 2012 haben sich der Gärtnerhof Landolfshausen (Bioland-Betrieb seit 1988) und eine Gruppe privater Haushalte auf Initiative des Vereins „Göttingen im Wandel“ zusammengeschlossen. Auf Grundlage der transparent dargestellten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Produktion verpflichtet sich jedes Mitglied auf einer Versammlung Anfang des Jahres, für ein Jahr monatlich einen festen Betrag an den Hof zu zahlen. Jedes Mitglied zahlt den ihm möglichen Betrag, so dass auch Menschen mit niedrigem Einkommen bei der Solidarischen Landwirtschaft dabei sein können. Die Abnehmer/-innen erhalten im Gegenzug einen Teil der Ernte. Es werden nur Erzeugnisse vom eigenen Betrieb geliefert. Der Anbauplan für die kommende Saison wird durch alle Mitglieder festgelegt und der Anbau ist so geplant, dass auch in den Wintermonaten genug Lager- und Wintergemüse für alle vorhanden ist. In der Saison 2013 verwendete der Hof ca. 40 % seiner Anbaufläche für die Gemeinschaft. An sechs Abholstellen in der Stadt verteilt der Gärtnerhof ein- bis zweimal in der Woche ein Drittel seiner Ernte an die Mitglieder. Diese können mehrmals im Jahr bei Hoftreffen den Betrieb und die Produktion kennenlernen und auch bei einigen Tätigkeiten selbst mithelfen.

Grundlegend für das Konzept ist, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, vorfinanziert. Alle teilen sich die damit verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte. Entscheidend ist, dass die Anbau- und Verarbeitungskosten vollständig gedeckt werden. Das beinhaltet neben dem Einkommen für die Landwirt/-innen und Angestellten möglicherweise auch eine Altersvorsorge, im Idealfall einen Überschuss für zukünftige Investitionen. Auf diese Weise konnte z. B. der Gärtnerhof Landolfshausen einen Miststreuer anschaffen und es gibt jetzt Spielraum für ökologisch sinnvolle Fruchtfolgen.

Der Verein „Göttingen im Wandel“ (gegr. am 4. März 2013, als Initiative aber schon länger existent) ist Teil der internationalen Transition Town-Bewegung. Transition Towns reagieren auf die Herausforderungen des Klimawandels und die Verknappung des Erdöls mit vorbereitenden Maßnahmen auf eine Zukunft knapper werdender Roh- und Treibstoffe. Den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren und die regionale/lokale Wirtschaft zu stärken und widerstandsfähiger gegenüber globalen Wirtschafts- und Energiekrisen zu machen, stehen dabei im Zentrum.
                AOVE GmbH

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Fotos: W. Frings

 


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