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Bundeswettbewerb “Kinder- und familienfreundliche Gemeinde”


Auftraggeber

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend


Bearbeitung


Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, durchgeführt.
 

Aufgabenstellung und Inhalte

Bundeswettbewerb 'Kinder- und familienfreundliche Gemeinde'

In Familien zu leben, ist Wunsch und Realität vieler Menschen. Die Familie gibt Jung und Alt Geborgenheit und Sicherheit, Orientierung und Freude. Die Anforderungen des modernen Wirtschafts- und Berufslebens sowie die zunehmende Verstädterung setzen jedoch gerade Familien mit Kindern vielfältigen Belastungen und Gefährdungen aus, an denen
viele Familien zerbrechen. Im täglichen Leben erfahren sie zu wenig Rücksichtnahme, Förderung und Verständnis. Durch den Wettbewerb fanden diejenigen Städte und Gemeinden eine breite öffentliche Auszeichnung, die in den verschiedensten kommunalen Handlungsfeldern gute Lebensbedingungen für Familien mit Kindern schaffen.
 

Methodisches Vorgehen

Ziel des Wettbewerbs war es, kinder- und familienfreundliche Maßnahmen möglichst vieler Städte und Gemeinden, auch und gerade im Zusammenwirken mit freien Trägern der Familienhilfe und bürgerschaftlichen Initiativen, herauszufinden, anzuerkennen und bekanntzumachen. Andere Kommunen sollen hierdurch informiert und angeregt werden. Für eine Prämierung kamen vorrangig Kommunen in Betracht, die in ganzheitlicher, nachhaltiger und innovativer Weise günstige Lebensumwelten für Familien mit Kindern entwickeln. Die Bewertung erfolgte getrennt für folgende drei Gemeindegrößenklassen:
Über die Prämierung entschied eine unabhängige Jury, die von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Claudia Nolte, berufen wurde. Es ging im Wettbewerb nicht darum, die kinder- und familienfreundlichsten Städte und Gemeinden im Ranking zu ermitteln, sondern darum, deutlich zu machen, daß örtliche Politik für Kinder und Familien alle Felder kommunaler Politik berührt und einbezieht, Fachgrenzen überwinden sowie Ressorts, Ämter und freie Träger zur Zusammenarbeit anregen muß, wenn sie gelingen soll.

364 Städte und Gemeinden aus 14 Bundesländern hatten Bewerbungen eingereicht. Am stärksten vertreten waren dabei die Städte aus der Größenklasse zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnern mit 178 Einsendungen, gefolgt von Gemeinden unter 10.000 Einwohnern mit 147 Einsendungen. Von den Großstädten mit über 100.000 Einwohnern beteiligten sich 38 Städte an dem Wettbewerb. Die meisten Bewerbungen kamen aus Bayern (73), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (51) und Baden-Württemberg (43). Aus den neuen Bundesländern wurden insgesamt 112 Bewerbungen eingereicht.

Die hohe Beteiligung dokumentiert, daß der Wettbewerb auf ein großes Interesse gestoßen ist und daß viele Städte und Gemeinden die Bedeutung von kinder- und familienfreundlichen Maßnahmen erkennen. Die ausgewählten Preisträger, die sich durch ein besonders kinder- und familienfreundliches Gesamtkonzept auszeichnen, sind
 

Bis 10.000 Einwohner

BEESKOW (Brandenburg)
Die Stadt Beeskow richtet ihr Augenmerk vorrangig auf eine problemorientierte Arbeit mit Jugendlichen, Kindern und Familien. Die Jugendlichen werden aktiv in die Angebotsplanung und auch die Renovierung der Gebäude mit einbezogen. Seit der Wende sind die sozialen Einrichtungen modernisiert und ein dichtes Netz an Beratungs- und Begegnungsstellen für Schwangere, Frauen und Familien aufgebaut worden.
 
HEIDENBURG (Rheinland-Pfalz) Heidenburg ist die kleinste Gemeinde, die ausgezeichnet wurde. Es gelang, die Grundschule im Ort zu erhalten und eine Mehrzweckhalle zu errichten. Bedarfsgerechte, ganztägige Kindergartenöffnungszeiten, das Konzept einer verläßlichen Grundschule bis 13.00 Uhr und die ganzheitliche Kinder- und Familienpolitik sind beispielgebend für andere kleine Gemeinden.
 
GLEICHEN (Niedersachsen) Als dünn besiedelte Flächengemeinde mit 16 Ortsteilen stellt sich Gleichen der besonderen Ausgangsbedingung, eine bedarfsgerechte, dezentrale Infrastruktur aufrechtzuerhalten und unter Beachtung ökologischer Aspekte eine familienorientierte Siedlungsentwicklung zu ermöglichen. So unterstützt die Gemeinde neue Wohnmodelle für Familien und bevorzugt bei der Baulandvergabe einheimische und einkommensschwache Familien.
 
SCHALKHAM (Bayern) Kommunale Familienpolitik heißt hier: unkonventionelle Umsetzung innovativer Maßnahmen. So sind die Kosten für den Bau der Wasserver- und -entsorgungsanlage besonders für kinderreiche Familien auf etwa 10 % des Üblichen reduziert worden. Die laufenden Energiekosten ließen sich durch die Gemeinschaftsaktion zum Einbau von Solaranlagen erheblich senken. Familienpatenschaften für Biotope werden initiiert und gefördert.
 
THUM (Sachsen) Mit seinen vielfältigen Veranstaltungen für Eltern und Kleinkinder, Jugendliche und Senioren kommt dem Familien- und Freizeitzentrum eine wichtige Scharnierfunktion zu. Durch ihre Beteiligung an der Aktion 55 versucht Thum, frühzeitig aus dem Berufsleben Ausgeschiedenen über die Vereinsstrukturen zur Übernahme von Aufgaben in der Kinder- und Familienarbeit zu motivieren.
 

Von 10.000 bis 100.000 Einwohnern

DREIEICH (Hessen) Die Aktion “Kindergerechte Stadt Dreieich” bezieht Politik, Verwaltung, Vereine, Familien und Kinder in vielfältiger Weise in Aktionen, Anhörungen und Vortragsveranstaltungen mit ein. Beispielhaft ist auch das Gemeinschaftsprojekt “Miteinander - Gegeneinander”, innerhalb dessen die städtische Jugendpflege, der Kinderschutzbund und der Kreiselternbeirat gewaltpräventive Projekte über den Umgang mit Konflikten initiiert und durchgeführt haben.
 
GLADBECK (Nordrhein-Westfalen) Sowohl die Strategie der Baulandentwicklung und der kostengünstigen Bereitstellung von Bauland für Familien mit Kindern als auch eine offene, dezentrale und vernetzte Stadtteilarbeit überzeugen in Konzepttion und Realisierung. Ein Sozial- und Familienbericht befinden sich in Vorbereitung. Hervorzuheben ist schließlich die Arbeit mit Mädchen und Migranten, die das Bemühen um gleichberechtigte Teilhabe aller am kommunalen Leben dokumentiert.
 
LINGEN (Niedersachsen) Bereits seit 1980 besteht ein familienpolitisches Förderprogramm in Form von Zuschüssen und Vergünstigungen bei städtischen Gebühren, Förderung des Wohnungsbaus für Familien und alleinerziehende Mütter sowie einem sozialen Hilfefonds. Eltern, Kinder und Jugendliche werden systematisch bei der Planung und Umsetzung aller städtisch relevanten Projekte einbezogen.
 
ST. WENDEL (Saarland) Die Flächengemeinde St. Wendel mit ihren 13 Ortsteilen setzt besondere Akzente in den Bereichen Wohnungswesen, Wohnumfeld- und Siedlungsgestaltung. Die Außenanlagen von Schulen und Kindergärten werden als naturnahe Spiel- und Erlebnisräume gestaltet, neue und bestehende Wohngebiete werden verkehrsberuhigt und mit Spielstraßen ausgestattet. St. Wendel verfügt über ein vielfältiges und hochwertiges Angebot sozialer Infrastruktureinrichtungen.
 
TETTNANG (Baden-Württemberg) Im Mittelpunkt des Beitrags von Tettnang steht das Familienzentrum Spatzennest, eine eigenverwaltete Beratungs- und Selbsthilfeeinrichtung, die sich zu einem lebendigen Ort der Begegnung und Unterstützung für die Familien der Stadt entwickelt hat. Die vielfältigen Initiativen des Familienzentrums strahlen auf verschiedene Politikfelder aus, so auf das Wohnungswesen, die Wohnumfeld- und Siedlungsgestaltung, die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsförderpolitik.
 
ZEULENRODA (Thüringen) Das Gesamtkonzept ist tragfähig und umfaßt Kindertagesstätten, Jugendeinrichtungen, Horte, einen Tagesmütterdienst, ein Schullandheim-Begegnungszentrum, umfassende Familienberatungs- und –bildungsangebote. Als Beispiel einer äußerst gelungenen Integration unterschiedlicher Einrichtungstypen ist das Haus “Frohe Zukunft” hervorzuheben, das in vorbildlicher Weise Kindertagesstätte und Seniorenbegnungsstätte miteinander verbindet.
 

Mit mehr als 100.000 Einwohnern

AACHEN (Nordrhein-Westfalen) Den Schwerpunkt des Aachener Beitrags bilden innovative Projekte in der Wohnumfeldgestaltung, Wohnungs- und Verkehrspolitik. Modellcharakter kommt der kinderfreundlichen Gestaltung der Innenstadt zu und der Absicht, städtischen Raum für Familien mit Kindern zurückzugewinnen. Spielpunkte im Straßenraum, die nicht wie konventionelle Spielplätze abgegrenzt sind, und Maßnahmen zur erhöhten Sicherheit von Kindern sind hierfür gute Beispiele.
 
ERFURT (Thüringen) Ausdruck der Neuorientierung der Kommunalpolitik seit der Wende ist der vom Stadtrat beschlossene Handlungsrahmen “Kinder- und familienfreundliche Stadt Erfurt”. Neue Projekte wie das Kinderhotel, das je nach Bedarf Zwei- bis Zwölfjährigen stunden- bis tageweise offensteht, und die Schülerakademie zur Nachwuchs- und Talentförderung belegen die Offenheit und Experimentierfreudigkeit der Verantwortlichen.
 
FREIBURG (Baden-Württemberg) Die Auszeichnung Freiburgs erfolgt aufgrund zweier integrierter Siedlungsprojekte mit Vorbildscharakter, die in besonderem Maße den Ansprüchen von Familien und Kindern entgegenkommen. Das Wohnumfeld des Projektes “Rieselfeld”, wo nach Fertigstellung etwa 10.000 Bewohner ein neues Zuhause finden, zeichnet sich durch seine weitestgehend barrierefreien Spiel- und Bewegungsräume aus. Im Projekt “Vauban” wird durch konsequente Mischung von Wohnen und Arbeiten eine Siedlung der kurzen Wege mit etwa 700 Arbeitsplätzen angestrebt.
 
WÜRZBURG (Bayern) Seit 1977 sind Leitlinien der Familienpolitik in einem Kommunalen Familienprogramm formuliert. Die Würzburger Innovationsfreude wird seit einer Reihe von Jahren durch zwei Formen der Institutionalisierung kommunaler Familienpolitik symbolisiert: Die 1991 gegründete “Arbeitsgemeinschaft Familien in Würzburg”, die mit der Kommunalverwaltung eng zusammenarbeitet, und die als Checkliste ausgestaltete “Familienverträglichkeitsprüfung”, die für alle städtischen Dienststellen, Einrichtungen und Unternehmen verbindlich ist.
 


Die Dokumentation des Bundeswettbewerbs kann kostenlos bezogen werden bei:
 
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)

Straße des 17. Juni 112
10623 Berlin
Agrarsoziale Gesellschaft e.V. (ASG)

Kurze Geismarstr. 33
37073 Göttingen
Fon (0551) 49 709 -0
Fon (030) 39 001 -200
-208
www.difu.de www.asg-goe.de


 
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