Agrarsoziale Gesellschaft e.V.

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Preisträger 2005

Bioenergiedorf Jühnde

Nur wenige Kilometer von Göttingen entfernt (13 km) liegt das Dorf Jühnde, das seit neuestem mit der Nutzung erneuerbarer Energiequellen einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leistet. Zentraler Ansatzpunkt des Projektes "Bioenergiedorf" ist die Umstellung der Strom- und Wärmeversorgung auf Energiegewinnung aus Biomasse, woran sich die Mehrheit der Haushalte des 750 Einwohner zählenden Ortes beteiligt. Dorf Jühnde
Seit Ende September 2005 läuft die Biogasanlage mit Blockheizkraftwerk im Probebetrieb, das Holzhackschnitzelwerk produziert Energie und der Ausbau des Nahwärmenetzes wird in den nächsten Wochen abgeschlossen sein. Die Kosten für das gesamte Projekt belaufen sich inkl. Machbarkeitsstudie auf etwa 5 Mio. Euro.
Die Projektidee für ein Bioenergiedorf wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universitäten Göttingen und Kassel-Witzenhausen im Januar 2001 erstmals den Jühnder Bürgern vorgestellt. Auf Grund der mit dem Projekt verbundenen Chancen für die Dorfentwicklung und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen bestand hier von Anfang an ein großes Interesse an einer Umsetzung. Es bildete sich eine Initiative aus Bürgern, die das Projekt mit hohem Engagement voranbrachte. Begleitet wurde und wird das Projekt weiterhin von universitärer Seite.
Nach dem erfolgreichen Abschluss einer detaillierten Machbarkeitsstudie im Frühjahr 2002 gingen die Jühnder Bürger einen weiteren Schritt: Die Bioenergiedorf Jühnde GbR als Vorgesellschaft zur späteren Betreibergesellschaft wurde gegründet.
 
HolzhackschnitzelwerkBiogasanlage mit Blockheizkraftwerk im Probebetrieb seit Ende September 2005
 
Bau und Betrieb der Energieanlagen werden von der im Oktober 2004 gegründeten Genossenschaft Bioenergiedorf Jühnde eG vorgenommen. Die Betreibergesellschaft wurde von den Jühndern bewusst als "eingetragene Genossenschaft" gegründet, damit sicher gestellt ist, dass auch zukünftige Entscheidungen im Interesse des Dorfes getroffen werden.
 
Biogasanlage mit BlockheizkraftwerkDas Blockheizkraftwerk soll mindestens die im Ort benötigte Strommenge als Mengenäquivalent produzieren und diesen Öko-Strom in das Netz des regionalen Energieversorgers einspeisen. Die im Blockheizkraftwerk anfallende Abwärme wird über das Nahwärmenetz an die Haushalte verteilt.
Ein höherer Wärmebedarf im Winter soll durch das Holzhackschnitzelheizwerk auf der Basis von Holz aus der Region betrieben werden. Für die Abdeckung der Spitzenlast an sehr kalten Tagen ist ein Kessel auf der Basis von Heizöl oder Rapsmethylester vorgesehen.
Die üblichen Energieträger wie Öl, Gas und Kohle werden damit durch einen umweltfreundlichen und dezentral verfügbaren Energieträger ersetzt, kompakte Hausanschlussstationen ersetzen die bisherigen Heizungsanlagen. In Jühnde wirtschaften neun Landwirte mit insgesamt etwa 450 Kühen und 1 500 Mastschweinen.
Die anfallende Gülle wird in die neue Biogasanlage eingebracht und durch Ganzpflanzensilage (Getreide, Sonnenblumen, Mais, Gras, Gründünung) ergänzt. Durch die Bereitstellung der Biomasse für energetische Zwecke entsteht Einkommen in der Land- und Forstwirtschaft, das unabhängig von den Regelungen auf den Weltagrarmärkten erwirtschaftet werden kann.

www.bioenergiedorf.de - Bioenergiedorf Jühnde    Dieses Standbein kann zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse insbesondere in der örtlichen Landwirtschaft beitragen. Darüber hinaus profitiert die Landwirtschaft mehrfach von den Projektzielen (Entschärfung der Gülleproblematik, Anbau von nachwachsenden Rohstoffen auf Stilllegungsflächen, bessere Durchforstung der Wälder, Verbesserung von Akzeptanz und Image).
 
Der Versuch, ein ganzes Dorf mit Energie und Wärme zu versorgen, die allein aus der Gülle-, Holz- und Grünpflanzenproduktion vor Ort stammt, ist europaweit einmalig.

Insofern handelt es sich hier um eine herausragende innovative wissenschaftliche Konzeption und die Gemeinschaftsleistung eines Dorfes, die mit dem Tassilo Tröscher-Preis 2005 in Höhe von 3 000,-- Euro honoriert wurde.
 Verleihung des Tassilo Tröscher Preises: Brandenberg, Dr. Hans-Hermann Bentrup, Reinhard von Werder, Hans Jörg Tröscher, Eckhard Fangmeier, Heinz Christian Bär (von links nach rechts)
 


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