Projekt „Die Erwerbs­situation von Frauen in ländlichen Regionen unter dem Einfluss der Digitali­sierung der Arbeitswelt“

In Wirtschaft und Arbeitswelt vollziehen sich derzeit aufgrund der Digitali­sierung tiefgreifende technische und soziale Wandlungen. Es entstehen nicht nur neue Geschäfts­felder, auch die Struktur und Organi­sation von Arbeit sowie die Anforde­rungen an die Beschäf­tigten verändern sich. Das reicht von der Tele- und Heimarbeit über eCommerce und Bewerben von Produkten in den Sozialen Medien über automati­sierte Fertigungs­prozesse bis hin zu selbst­fahrenden Traktoren, Landmaschinen und Melkrobotern in der Land­wirtschaft. Die „Kommuni­kation“ unter Maschinen und Anlagen macht dabei letztlich die neue Qualität und den Kern der technischen Seite der Digitali­sierung aus.

Aus diesem Grund sollen die folgenden Frage­stellungen in peripheren ländlichen Räumen untersucht werden:

Welche Chancen und Risiken ergeben sich nun aus der Digitali­sierung für Frauen und Männer in ländlichen Regionen?

Rollen­zuschreibungen, Selbstbilder und Lebens­entwürfe von Frauen, Männern und Familien wandeln sich parallel: Wie entwickelt sich aus diesen gesellschaft­lichen Trends die Chancen­gerechtigkeit für beide Geschlechter in ländlichen Räumen?

Kann der Digitalisierungs­prozess bestehende Benachtei­ligungen von Frauen abbauen oder trägt er eher zur Etablierung neuer Ungleich­heiten bei?

Die genannten Frage­stellungen werden seit Januar 2016 von der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. in Göttingen, der Hochschule Neubrandenburg und dem Institut für sozial­ökonomische Struktur­analysen (SÖSTRA) aus Berlin untersucht. Dies geschieht in ausgewählten ländlich peripheren Regionen. Betrachtet werden dabei die für die ländlichen Räume typischen Branchen Handel, Handwerk, Landwirt­schaft, Tourismus und das verarbeitende Gewerbe. Wie an Hand sogenannter Start-up-Unternehmen zu beobachten ist, entstehen im Rahmen der Digitali­sierung viele neue Geschäfts­ideen. Die Entwicklung in diesem Segment verläuft sehr dynamisch. Es liegen keine fundierten Befunde dazu vor, in welcher Breite und Vielfalt diese „Pionier­unternehmen“ in ländlichen Regionen vertreten sind und welche Entwicklungs­chancen sie dort haben.

Ziel ist es, eine Einschätzung zum Voran­schreiten und zu den Effekten der Digitali­sierung in ländlichen Regionen, insbesondere aus der Geschlechter­perspektive, vorzunehmen. Ergebnisse und Handlungs­empfehlungen werden bis Ende 2017 vorliegen. Die Untersuchungen sollen Schluss­folgerungen ermöglichen für:
  1. Politische Handlungs­ansätze zur chancen-und geschlechter­gerechten Gestaltung des Digitalisierungs­prozesses im ländlichen Raum


  2. Anregungen, wie der Digitalisierungs­prozess perspektivisch für die Vermittlung von Bleibe-/Rückkehr­perspektiven vor allem für Frauen genutzt und die Attraktivität ländlicher Räume dadurch insbesondere für junge Familien erhöht werden kann.


Deutscher LandFrauenverband e.V.

Strategischer Partner ist der Deutsche LandFrauen­verband e.V.

Gefördert wird das Projekt vom Bundes­ministerium für Ernährung und Landwirtschaft.


Online-Befragung

Im Rahmen einer Online-Befragung möchten wir abhängig beschäftigte oder selbst­ständige Frauen befragen, die im erwerbs­tätigen Alter zwischen 18 und 65 Jahre sind und ihren Wohnort in länd­lichen Regionen haben.

Ziel der Unter­suchung ist es heraus­zufinden, in welchem Maße und in welcher Weise Frauen aus länd­lichen Regionen in ihrer beruf­lichen Arbeit bereits mit der Digitali­sierung konfron­tiert sind. Wie verändern sich mit der Verbreitung digitaler Technik Arbeits- und Qualifi­kations­anforde­rungen? Werden von Frauen besetzte Arbeits­plätze sicherer oder unsicherer? Unterstützt die Digitali­sierung die Aufwertung von Tätigkeiten, die vorrangig von Frauen ausgeübt werden? Diesen und anderen Fragen soll nachge­gangen werden.

Die Erhebung ist anonym und entspricht allen Anforde­rungen des Datenschutzes. Die erhobenen Daten werden aus­schließ­lich im Rahmen des Forschungs­projekts genutzt.

Wir würden uns freuen, wenn sich möglichst viele Frauen bis zum 30. April 2017 beteiligen.

Zum Fragebogen

Agrarsoziale Gesellschaft e.V.

Teilprojekt I:
Handwerk und Handel

Im Teilprojekt I wird von der Agrarsozialen Gesellschaft e.V. schwerpunkt­mäßig der Stand der Digitali­sierung in den Bereichen Handwerk und Handel (inkl. Online-Handel) sowie die Auswir­kungen auf (Frauen-)­Arbeits­plätze untersucht. Untersuchungs­regionen sind der Landkreis Lüchow-Dannenberg in Nieder­sachsen und der Landkreis Cham in Bayern.

Die über­wiegende Anzahl der Betriebe im Handwerk nutzt heute bereits neue Infor­mations- und Kommuni­kations­techno­logien (stationärer PC, Notebook, Smartphone, Tablet oder Server) im Geschäfts­betrieb. Im eigent­lichen Produktions­prozess dagegen werden computer­gesteuerte Maschinen und Anlagen oder 3D-Drucker bisher nur in geringem Umfang eingesetzt. Je größer die Betriebe sind, umso höher ist der Einsatz digitaler Geräte und desto mehr Geräte werden gleich­zeitig eingesetzt. Bei kleinen Handwerks­betrieben wie Fleischereien oder Bäckereien ist die Digitali­sierung zzt. noch gering fort­geschritten. Inwiefern die Digitali­sierung, insbesondere im Geschäfts­bereich des Handwerks, Chancen für Frauen­arbeits­plätze bietet, wird im Rahmen des Projektes zu untersuchen sein.

Der Handel ist eine Branche mit vielen Frauen­arbeits­plätzen, auch in Führungs­positionen. Im Einzel­handel verändert sich die Situation zzt. dahin­gehend, dass Toplagen weiterhin eine hohe Anziehungs­kraft besitzen, während Mittel­lagen verstärkt unter Druck geraten. Außerhalb von Toplagen, besonders auch in (peripheren) länd­lichen Räumen, scheint eine Kombi­nation aus Off- und Online-Handel für die Zukunft richtungs­weisend, denn viele Konsument/-innen kaufen schon heute zumindest bestimmte Produkte wie Bücher oder CDs gern im Internet.

Ansprechpartner-/innen der ASG:

Dipl.-Ing. agr. Ines Fahning

Dipl.-Ing. agr.
Ines Fahning

Fon (0551) 49 70 9 – 26
Fax (0551) 49 70 9 – 16

Email:
Lukas Underwood M.A.

Lukas Underwood
M.A.

Fon (0551) 49 70 9 – 32
Fax (0551) 49 70 9 – 16

Email:


Agrarsoziale Gesellschaft e.V.
Kurze Geismarstraße 33, 37073 Göttingen
www.asg-goe.de

Hochschule Neubrandenburg

Teilprojekt II:
Landwirtschaft und Tourismus

An der Hochschule Neubrandenburg werden die Branchen Landwirt­schaft und Tourismus untersucht. Die Unter­suchungs­regionen sind die Planungs­region Vorpommern, vor allem der Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, und der Landkreis Cochem-Zell in Rheinland-Pfalz.

Die Landwirtschaft übernimmt eine Vorreiter­rolle im Digitali­sierungs­prozess. Moderne Acker- und Pflanzen­baugeräte kommen ohne GPS-Steuerung, automa­tischer Spurlenkung, N-Sensoren usw. kaum noch aus. Auch in der Tier­haltung spielen Melk­roboter und automa­tische Fütterungs­systeme eine immer größere Rolle. Eine bessere Verein­barkeit von Familie und Beruf, Pflege und Beruf sowie „Work-Life-Balance“ wäre somit denkbar. Wird die Land­wirt­schaft dadurch möglicher­weise (wieder) attrak­tiver für gut ausge­bildete Frauen? Inwieweit erhöht der Einsatz und die Verwendung modernster Technik die Attrak­tivität von land­wirt­schaft­lichen Berufen und der Land­wirt­schaft in der Bevöl­kerung und bieten sich möglicher­weise neue Berufs­felder?

Die Tourismuswirtschaft im länd­lichen Raum findet sich in der Erwerbs­tätigen­statistik in unter­schied­lichen Branchen, wie z.B. Beher­bergung und Gastronomie, aber auch das Baugewerbe und das Grundstücks- und Wohnungs­wesen. Regional ist die Bedeutung für die Wirtschaft in ländlichen Regionen erheblich. Mit der Digitali­sierung verbinden sich u.a. neue Chancen in der Vermark­tung von Angeboten. Räumliche Standort­nachteile – gerade auch von klein­struktu­rierten Anbietern in ländlichen Regionen – lassen sich verringern.

Ansprechpartner-/innen an der Hochschule Neubrandenburg:

Prof. Dr. Theodor Fock

Prof. Dr.
Theodor Fock

Fon (0395) 56 93 – 21 01
Fax (0395) 56 93 – 721 01

Email:
Dipl.-Ing. agr. Simone Witzel

Dipl.-Ing. agr.
Simone Witzel

Fon (0395) 56 93 – 23 04
Fax (0395) 56 93 – 723 04

Email:


Hochschule Neubrandenburg
Fachbereich Agrarwirtschaft und Lebensmittel­wissenschaften
Brodaer Str. 2, 17033 Neubrandenburg
www.hs-nb.de/studiengang-aw/

Institut SÖSTRA

Teilprojekt III:
Verarbeitendes Gewerbe

Das Institut SÖSTRA wird sich auf Unter­suchungen zum Digitali­sierungs­prozess im produ­zierenden Gewerbe mit der Schwer­punkt­setzung auf das verarbeitende Gewerbe konzen­trieren. Dieser Wirtschafts­bereich umfasst eine Vielzahl an Industrie­bereichen wie den Maschinen- und Fahr­zeug­bau, die chemische und pharma­zeutische Industrie, aber auch die Herstellung von Nahrungs- und Genuss­mitteln sowie von Holzwaren und Papier. Die Unter­suchungs­region liegt im Landkreis Barnim in Branden­burg. Soweit es der Unter­suchung dient, soll punktuell auch der Landkreis Uckermark einbezogen werden.

Laut aktuellen Unter­suchungen stehen im Fokus von Industrie 4.0 die Erfassung, Überwachung und Kontrolle von Prozessen und Produkten. Die Fehler­reduzie­rung hat gegen­wärtig offenbar eine größere Relevanz als Ferti­gungs­verfahren neu zu gestalten und zu optimieren. Transparenz und Kontrolle über Fertigungs­prozesse zu gewinnen, stehen im zweiten Schritt an und im dritten das Erschließen des Optimierungs- und Effizienz­potenzials durch Digitali­sierung. Wie sich die Situation in Unter­nehmen des verarbei­tenden Gewerbes im ländlichen Raum darstellt, ist jedoch bisher noch nicht erforscht. Vor allem ist nicht untersucht, welche Differenzie­rungen es diesbezüglich in der breiten Palette der Teil­branchen des verarbei­tenden Gewerbes gibt und wie sich diese Entwick­lungen aus der Geschlechter­perspektive vollziehen.

Ansprechpartnerinnen bei SÖSTRA:

Dr. Monika Putzing

Dr. Monika Putzing

Fon (030) 28 38 96 11

Email:
Dr. Gerda Jasper

Dr. Gerda Jasper

Fon (030) 93 22 717
Mobil (0172) 39 92 226

Email:


SÖSTRA GmbH
Torstr. 178, 10115 Berlin
www.soestra.de


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