Agrarsoziale Gesellschaft e.V.

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Interviews mit den Preisträgern 2021



Landkulturboten

Preisträger: Förderkreis Synagoge in Vöhl e.V.

Die Fragen beantwortete Karl-Heinz Stadtler, Vorstandsvorsitzender Förderkreis Synagoge in Vöhl e.V.

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragen Sie mit Ihrem Projekt dazu bei?

Lassen Sie mich eingangs sagen, dass wir mit allem, was wir in der alten Vöhler Synagoge machen, das Leben in Vöhl und Umgebung bereichern möchten. Dies gilt auch für das Landkulturbotenprojekt. Mit diesem Projekt ist es möglich, die Synagoge während der Sommerferien die ganze Woche von Montag bis Freitag für Besucher zu öffnen. Einheimische und Touristen der Ferienregion Edersee und des Nationalparks Kellerwald-Edersee werden von den gut vorbereiteten Landkulturboten über das frühere Aussehen des Gebäudes und des Sakralraums, die Geschichte des Hauses und der jüdischen Gemeinde sowie über die Arbeit unseres Vereins informiert. Dass dieses Angebot auch der Gastronomie und dem Einzelhandel hilft, liegt auf der Hand.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement motiviert?

Verschiedenes! Da ist zum einen ein allgemeines Gefühl der Verantwortung für das, was den Juden in deutschem Namen insbesondere von 1933 bis 1945 angetan wurde. Dies gilt besonders deshalb, weil es auch in dem Dorf geschah, in dem mehrere Vorstandsmitglieder und ich selbst unser ganzes bisheriges Leben verbracht haben. Kein Schuldgefühl, aber Verantwortlichkeit vor allem dafür, dass sich das Geschehene nicht wiederholt.

Als jemand, der sich jahrzehntelang auch kommunalpolitisch engagiert hat, möchte ich auch durch mein Engagement im Förderkreis „Synagoge in Vöhl“ durch ein vielfältiges und hochwertiges Veranstaltungsangebot daran mitwirken, dass sich die Menschen im Dorf wohlfühlen und gerne in Vöhl wohnen. Dass wir so ganz nebenbei auch zur Wertschöpfung in der Gemeinde beitragen, soll nicht verschwiegen werden.

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Schüler*innen zu Ihren Botschafter*innen zu machen?

Die Idee, Schüler*innen während der Sommerferien zu Kulturboten des Ortes und der Region zu machen und in ihnen dadurch auch eine gewisse Identifikation mit ihrer Heimat zu wecken oder zu verstärken, stammt aus Schweden. Als ehemaliger Lehrer war ich von diesem Gedanken sofort begeistert. Wir vermitteln den jungen Leuten Kenntnisse über eine sehr wichtige Periode deutscher Geschichte mit Auswirkungen auf die Gegenwart. Ein großer Vorteil für die Schüler*innen ist aber auch, dass sie Erfahrung darin sammeln, vor Fremden zu sprechen. Für Vorstellungsgespräche, mündliche und Projektprüfungen ist das von großem Wert. Wir beschäftigen sehr bewusst je zur Hälfte Schüler*innen der Realschule in unserer Gemeinde und des Gymnasiums in der Kreisstadt; die Gymnasiast*innen sind in der Regel 18-19 Jahre und etwas älter und reifer als die Realschüler, aber bei den Realschülern ist die Hoffnung größer, dass sie in der Region bleiben. Doch warum sollen nicht auch die anderen nach dem Studium oder nach dem Berufsleben in die alte Heimat zurückkommen, wenn sie miterleben, dass es auch in ihrer ländlichen Heimat gute kulturelle Angebote gibt und man sich auch selbst kulturell betätigen kann.

Was macht Ihnen in Ihrem Projekt am meisten Spaß?

Das Interesse der Jugendlichen an den Themen, mit denen sie bei uns konfrontiert werden, und die Intensität, mit der sie die Arbeit an ihrem persönlichen Projekt angehen. Was mich außerdem freut: Vor allem im Umgang mit den modernen Medien lerne ich selbst viel von den jungen Leuten.

Wie wollen Sie das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Wir finden das Landkulturbotenprojekt aus den genannten Gründen toll und möchten es im nächsten Jahr gern wiederholen. Dafür brauchen wir ungefähr 5 500 Euro. Wir werden also das Preisgeld und eventuelle Spenden gerne für diesen Zweck verwenden.

Was planen Sie als Nächstes?

Schwerpunkt unserer Arbeit im Dezember dieses Jahres und im nächsten Jahr wird die Erinnerung an die drei Deportationen aus Nordhessen nach Riga, Sobibor/Majdanek und Theresienstadt sein, die sich im Dezember, Juni und September zum 80. Mal jähren. Wir planen Ausstellungen, Vorträge, Filmvorführungen, Lesungen sowie ein Zeitzeugengespräch.

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg erarbeiten wir zurzeit eine Broschüre für Schulklassen und Touristen, die alles zeigen soll, was in unseren Dörfern und Städten noch heute an die auch jüdische Vergangenheit erinnert. Die Broschüre soll Mitte 2022 erscheinen.

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Internationaler-integrativer Bauerngarten

Preisträger: Kreisjugendring Hildburghausen e.V.

Leben im ländlichen Regionen – Beitrag durch uns
  • Mit der Umsetzung eines internationalen und integrativen Bauerngartens bieten wir allen interessierten Kindern und Jugendlichen sowie Familien die Möglichkeit, sich selbst aktiv und kreativ ins Gärtnern unter Anleitung einzubringen.


  • Beim Wildkraut jäten und bei der Aussaat können die verschiedenen Nationen mit Unterstützung ihre Deutschkenntnisse festigen und als zweite Fremdsprache besser lernen.


  • Einbeziehung der Zuwander*innen egal welchen Alters in das thüringische und fränkische Leben


  • Kennenlernen der Traditionen Thüringens/Frankens und im gemeinsamen Miteinander das Kennenlernen und Genießen der Speisen unserer Neubürger*innen


  • Pflege der seit Jahrzehnten bestehenden internationalen Beziehungen und Austausch
Unsere Motivation zum Engagement
  • Wir pflegen schon seit Jahrzehnten einen internationalen Austausch.


  • Seit der „Flüchtlingswelle“ 2015 und in den folgenden Jahren bis heute haben wir mit unserem Kinder- und Jugendfreizeitzentrum einen festen Anlaufpunkt für alle Kinder und Jugendlichen geschaffen.


  • Es ist uns wichtig, dass wir einen Gegenpol zur „rechten Szene“ in Südthüringen schaffen und somit mit verschiedenen Angeboten allen interessierten Kindern, Jugendlichen und Familien täglich das Erleben von Frieden und Demokratie ermöglichen.


  • Dabei ist das Lernen und Festigen der deutschen Sprache ein wichtiger Beitrag, um hier endgültig anzukommen.
Situationen, in denen das Ziel der Integration zwischen Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft am besten funktioniert
  • Gegenseitiges Kennenlernen durch Gespräche und Lernen der deutschen Sprache von- und miteinander


  • Austausch der Kulturen im friedlichen Miteinander


  • Wünsche sowie neue Kulturen und Gemüsearten für den „Acker“ kennenlernen, ausprobieren und bei erfolgreichem Anbau gemeinsam Verarbeiten


  • mit Niederlagen und „Anbau-Einbuße“ kreativ umgehen


  • beim Anbau immer wieder experimentieren und den Freiraum, die Kreativität der Kinder und Familien nutzen


  • Blumen und Kräuter in die Verarbeitung einbeziehen und bei der Herstellung von Dips, Kosmetik- oder Gesundheitsprodukten ausprobieren
Was macht uns im Projekt am meisten Spaß?
  • mit den Kindern und Familien die Sprache Deutsch immer wieder üben


  • im Garten den Stand und die Kulturen erklären


  • das „Gewachsene“ miteinander ernten und verarbeiten, dabei die internationale Küche immer wieder neu kennenlernen und gemeinsam genießen
Verwendung Preisgeld und Spendengelder
  • alte Holz-Küchenmöbel durch neue Edelstahlmöbel ersetzen
Was planen wir als Nächstes?
  • eine neue Küche zur besseren Verarbeitung und zum gemeinsamen Kochen, unter Beachtung des ökologischen Fußabdruck


  • weiteres Lernen und Festigen der deutschen Sprache


  • das gemeinsame friedliche Miteinander der Kulturen und Glaubensrichtungen leben


  • miteinander Rezepte austauschen, ausprobieren und sich die verschiedenen Resultate gemeinsam in der „Lichtstube“ schmecken lassen

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Selbstorganisierte Gemüsebauausbildung

Preisträger: Die Gruppe „Maulwürfe“

Die Fragen wurden von Elsa Jeanjean beantwortet, Mitglied der Ausbildungsgruppe „Die Maulwürfe“.

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländli­chen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragen Sie mit Ihrem Projekt dazu bei?

In der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) tragen mehrere private Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wofür sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den per­sönlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeuger*innen als auch die Verbraucher*innen die vielfältigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabhängigen Landwirtschaft.

Es gibt seit einigen Jahren immer mehr SoLaWi-Betriebe, die sich gründen und nach fähigen, aus­gebildeten Landwirt*innen und Gärtner*innen suchen. Durch unsere Ausbildung stärken wir den ländlichen Raum insofern, dass wir Menschen (und zwar auch ursprüngliche Städter*innen) befähigen, sich auf dem Land durch ihre Arbeit auf dem Acker und in den Vereinsstrukturen der SoLaWis einzubringen, die dadurch sowohl regionale Ökonomien als auch das soziale Miteinander festigen und weiterentwickeln.

Bis jetzt gibt es acht verschiedene Ausbildungsgruppen, die sich gegründet haben, und es bilden sich immer mehr! Es ist ein großes Empowerment für uns Gärtner*innen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, selbstbestimmt lernen zu können und das Gelernte in den eigenen Betrieb nach den Seminaren mitzunehmen und anzuwenden.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement motiviert?

Ich selbst bin Quereinsteigerin in der Landwirtschaft und hatte bis zur Ausbildung nur etwas prakti­sche Erfahrung und wenig Hintergrundwissen. Ich habe mich oft gefragt, warum wir die Sachen auf dem Acker so machen, wie wir sie machen. Dieses Wissen hat mir gefehlt und war der Hauptgrund, warum ich mich der Gruppe anschließen wollte. Ich fand es mühsam und hatte keine Motivation, nach Antworten auf meine tausenden Fragen zu „wie kann ich enkeltauglich und gleichzeitig pro­duktiv gärtnern“ einsam in Büchern zu suchen. Als wir uns zu unserem Planungstreffen getroffen haben, habe ich gemerkt, dass wir wahnsinnig viel voneinander lernen könnten und dass es einfach Sinn macht zu versuchen, diese Fragen gemeinsam zu beantworten.

Warum haben Sie sich für eine selbstorganisierte Ausbildung entschieden?

Persönlich (und ich glaube aber, dass die Ansicht zumindest in unserer Gruppe geteilt wird) war mir die staatliche Ausbildung unzureichend, was Wissensvermittlung über regenerative Methoden in der Landwirtschaft betrifft. Ich wollte mehr Input dazu bekommen.

Ich arbeite in einer SoLaWi, bei der extrem viel von den Mitgliedern getragen wird; wir sind in Ar­beitskreisen organisiert, die sich jede zweite Woche treffen, um gemeinsam Entscheidungen für den Betrieb zu treffen. Ich bin also geübt in hierarchiefreier Selbstorganisation und weiß, wie fruchtbar so eine Arbeitsweise sein kann (sowohl für den Betrieb als für die persönliche Entwick­lung der einzelnen Akteur*innen). Ich war von der Vorstellung sehr begeistert, das in meine Aus­bildung zu übertragen und bin seitdem sehr dankbar, so aktiv bei der Gestaltung meines Lernens sein zu dürfen! Wir lernen, was uns interessiert, und zwar mit voller Motivation.

Was macht Ihnen in Ihrem Projekt am meisten Spaß?

Das gemeinsame Lernen! Und die Vielfalt daran: der praktische Austausch zwischen uns, die Be­gegnungen, die wir auf den Höfen, die wir bei unseren Exkursionen besuchen, erleben dürfen und die uns inspirieren, die praktischen Erfahrungen und Workshops, das Aufbauen eines soliden Wis­senshintergrunds für eine gute Praxis … Das alles ernährt mich und macht es wert, viele Stunden mit der Organisation eines Seminares beschäftigt zu sein. Wir lernen nicht nur hard facts, sondern auch, gemeinsam zu gestalten, und das fühlt sich richtig gut an!

Aus der Corona-Zeit habe ich gelernt, auch wenn Onlinetools superpraktisch sind, dass sie kein Prä­senstreffen ersetzen können. Für mich macht es einfach viel mehr Spaß und Sinn, wenn wir alle an einem Ort sind.

Wie wollen Sie das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Unser nächstes Seminar findet Ende November in Bayern statt (diesmal zum Thema „Betriebsfüh­rung“), und wir wollen das Preisgeld in die Finanzierung der Seminarwoche mit einfließen lassen. Besonders große Posten sind oft die Unterkunft und auch Referent*innen, die wir angemessen bezahlen wollen.

Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn weitere Spendengelder dazukommen würden, und die wollen wir mit der gesamten Ausbildung teilen, also dass nicht nur unsere Gruppe („die Maul­würfe“) davon profitieren darf, sondern auch die anderen Gruppen, die wie wir ihr Lernen und ihre Treffen zurzeit finanziell selbst stemmen müssen.

Was planen Sie als Nächstes?

Unsere Gruppe hat noch einige Seminare zu planen und durchzuführen. Die nächsten Themen sind nach „Betriebsführung“ unter anderem „Nützlinge und Schädlinge im Anbau“, „SoLaWi-Softskills“, „Jungpflanzenanzucht und Kulturführung“ (dieses Seminar sollte letzten Frühling stattfinden und musste wegen Corona verschoben werden) … Also haben wir noch viel vor! Dazwischen haben wir unsere monatlichen Plena für organisatorische Fragen, und Online-Lernabende geplant.

Was uns, gemeinsam mit den anderen Ausbildungsgruppen und dem SoLaWi-Netzwerk auch viel beschäftigt und ein großer Prozess ist, ist die Vernetzung der verschiedenen Ausbildungsgruppen und deren „Koordination“ sowie die Frage, wie wir unsere Strukturen stärken können, damit noch viel mehr Gärtner*innen und SoLaWis von einer selbstorganisierten Ausbildung profitieren kön­nen. Uns geht es darum, Unterstützung für die nächsten Gruppen anzubieten und ihnen dabei aber die volle Freiheit für die Gestaltung ihres Lernwegs zu lassen. Das ist keine leichte Aufgabe!

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App aufs Land – eine Plattform für Landerlebnisse von privat zu privat

Preisträgerin: Julia Nissen

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragen Sie mit Ihrem Projekt dazu bei?

Die Gräben zwischen Stadt und Land werden immer größer. Dabei wird der ländliche Raum als ein Ort zwischen Bullerbü und Massentierhaltung wahrgenommen. Mit der App aufs Land möchten wir Brücken bauen und Menschen wieder zusammenbringen. Kommunikation auf Augenhöhe ist das A und O. Keine großangelegte Imagekampagne hat sowas an Schlagkraft bei einem einzelnen Bürger wie das persönliche Gespräch und das persönliche Erlebnis. Was durch die Hand geht, bleibt im Kopf. Das ist unser Anspruch und damit treten wir an.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement motiviert?

Ich möchte etwas verändern bei den Menschen – Brücken bauen, vernetzen. All das positive Feedback für unsere Arbeit lässt uns jeden Tag wieder und wieder unser Bestes geben. Das motiviert uns. Das treibt uns an.

Welche Angebote wurden bisher am meisten gebucht?

Das waren unangefochten die Online-Weinproben im Corona-Lockdown. Wir haben unterschiedliche Weine verköstigt und gleichzeitig Videos von der Pflege der Rebstöcke und der Ernte gesehen. Es gab sehr viele Aha-Erlebnisse, insbesondere zu den Herausforderungen des Weinbaus hinsichtlich der Rebsorten (Stichwort: Pilztoleranz). Bei dem bestbesuchten Event waren über 500 Teilnehmende zwischen 19 und 93 Jahren dabei.

Was macht Ihnen in Ihrem Projekt am meisten Spaß?

Das jedes einzelne Event so besonders und individuell ist und keine Ruhe einkehrt. Kein Tag ist wie der andere – ich liebe das. Ja, und dann natürlich das Feedback, wenn sich wirklich etwas getan hat bei den Menschen. Von Änderungen der inneren Haltung bis hin zum Neusortieren der Schubladen im Kopf ist alles dabei – und spannenderweise sowohl auf Anbieter- als auch auf Endkundenseite.

Wie wollen Sie das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Wir wollen die App aufs Land ausbauen für terminunabhängige Angebote. Aktuell ist es nur terminbasiert möglich. Das kommt aber insbesondere den landwirtschaftlichen Anbietern nicht entgegen. Viele Feldarbeiten sind nur wenige Tage bis sogar Stunden vorhersehbar. Eine Weiterentwicklung hin zu einem Gutscheinsystem ist – dank des Tassilo Tröscher-Preises – jetzt in Planung.

Was planen Sie als Nächstes?

Wir planen zum Jahreswechsel die Umsetzung eines virtuellen Dorfes. Es wird ein klassisches Online-Magazin mit der App aufs Land als Marktplatz. An dem Konzept haben wir jetzt lange gefeilt und es bringt uns unserem Ziel, die Kluft zwischen Stadt und Land zu schließen, erheblich näher.

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Glücksmomente auf dem Meves-Hof – für Alt und Jung

Preisträgerin: Urte Meves

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragen Sie mit Ihrem Projekt dazu bei?

Gerade im ländlichen Raum ist das Vereinsamen unserer älteren Generation nicht von der Hand zu weisen. Ich ermögliche Begegnungen, fördere die Gemeinschaft und das gesellschaftliche Leben. Durch verschiedene Veranstaltungen und jahreszeitliche Anlässe hole ich ein Stück Kultur aufs Land.

Die Digitalisierung bringt bekannterweise nicht nur Vorteile mit sich, der Meves-Hof wirkt der immer weiter fortschreitenden Naturentfremdung entgegen. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist wichtiger denn je, wenn wir noch lange auf unserer Erde leben wollen.

Kreativität wird gefördert und die Lust, Praktisches zu erlernen, wird gesteigert. So erhoffe ich mir, dass das Aussterben der Handwerksberufe gebremst wird und Traditionen am Leben erhalten werden.

Was hat Sie zu Ihrem Engagement motiviert?

Für mich ist es das größte Glück, auf einem Bauernhof aufgewachsen zu sein und dort leben und arbeiten zu dürfen. Schon als Kind dachte ich, dieses Glück sollten viel mehr Menschen erfahren und wollte es mit anderen teilen. Schnell merkte ich, dass mein Angebot nicht nur für Kinder attraktiv ist, sondern auch für Zielgruppen jeden Alters und verschiedener physischer und psychischer Verfassung. Die Natur tut einfach jedem gut. Ein Bauernhof als Ort für Menschen mit Demenz wurde mein Hof durch meine persönliche Familiengeschichte. Mein Vater bekam die Diagnose Parkinson-Demenz, sodass ich mich mehr mit dieser Krankheit beschäftigte und so auch Glücksmomente für Menschen mit Demenz bieten kann.

In welcher Weise wirkt sich für Menschen mit Demenz die Begegnung mit den Kindern auf dem Meves-Hof positiv aus und was nehmen umgekehrt die Kinder von der älteren Generation mit?

Durch die Begegnungen von Kindern und Menschen mit Demenz enttabuisieren wir und brechen Vorurteile auf. Kinder gehen ganz unbedarft auf die Menschen zu und bewerten nicht. Oftmals ist der Wortschatz unserer dementen Besucher schon sehr eingeschränkt, aber mit den Silben -la, -le, -lü lässt es sich wunderbar mit Kindern kommunizieren. Zudem geschieht die Kommunikation durch Mimik und Gestik. Es wird sehr viel gelacht und Lachen ist ja bekanntlich gesund. Beide, sowohl Kinder als auch die Menschen mit Demenz, leben im Augenblick und genießen gemeinsam. Fröhlichkeit wird bei uns groß geschrieben, denn das Herz wird nicht dement.

Wenn die Demenz noch nicht so weit fortgeschritten ist, werden den Kindern oft alte Gebräuche vermittelt. Die Kleinen hören gern alten Geschichten zu und lernen die plattdeutsche Sprache. Unsere kleinen und großen Besucher haben Spaß am gemeinsamen Singen alter Volkslieder, die sonst womöglich in Vergessenheit geraten.

Vor allem ein kostbares Gut verbindet die beiden Generationen … sie haben Zeit, die sie gern gemeinsam verbringen. Und das sollte viel mehr genutzt werden.

Was macht Ihnen in Ihrem Projekt am meisten Spaß?

Ich liebe die Arbeit mit Mensch und Tier. Bei ihren Begegnungen in strahlende Augen zu sehen, macht mich einfach glücklich ❤
Das ist das schönste Feedback, was man bekommen kann.

Und zu spüren, wie sich meine Träume und vielen Ideen für den Meves-Hof mit Leben füllen, gibt mir sehr viel Aufschwung.

Wie wollen Sie das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Ich werde es für die Gründung eines Naturkindergartens verwenden. Dafür wird ein umgebauter Zirkuswagen benötigt sowie Spielgeräte und Zäune für die Außenanlagen.

Was planen Sie als Nächstes?

Der nächste Schritt wird ein intergenerativer Gemüsegarten sein, ein barrierearmer Nutzgarten für Jung und Alt, wo wir gemeinsam Glück anbauen werden. Für die Senioren werden Beete in verschiedenen Höhen angelegt und die Kinder ernten am Boden. Es wird Wissen an jüngere Generationen vermittelt und das eigenhändig angebaute Obst und Gemüse wird gemeinsam verarbeitet und genüsslich verzehrt.

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Walk of Future

Preisträger: Junge Entwicklung Fördern e.V.

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragt Ihr mit Eurem Projekt dazu bei?

Der „Walk of Future“ mit seinen 15 Holzschildern – beschriftet mit Zukunftsfragen – war eine Möglichkeit für junge Menschen aus der Gemeinde Cölbe, sich zu diesen Themen auszutauschen. Beispielsweise wollten wir wissen, wo junge Menschen in Zukunft ihr Obst und Gemüse kaufen möchten oder wie sie sich das Zusammenleben in Cölbe wünschen. Dadurch, dass die Schilder im öffentlichen Raum standen, konnten sich alle beteiligen, die Lust dazu hatten. Die Ergebnisse wurden von uns ausgewertet und in einem Podcast mit dem Bürgermeister diskutiert.

Was hat Euch zu Eurem Engagement motiviert?

Wir wollten den Stimmen von jungen Menschen aus Cölbe mehr Gehör verschaffen. Denn die Kommunalwahl stand an und es war uns wichtig, dass auch Themen, die junge Menschen beschäftigen, Berücksichtigung finden. Da aufgrund von Corona wenig Begegnung und Austausch stattgefunden hat (meist nur digital) wollten wir mit dem Walk of Future ein innovatives Beteiligungsformat an der frischen Luft umsetzen.

Spiegeln Eure Fragen auch die Vor- und Nachteile des Lebens von Jugendlichen im ländlichen Raum wider?

Auf jeden Fall. Wir haben versucht, mit unseren Fragen alle Lebensbereiche von Jugendlichen abzudecken. Ein Thema, das bei uns im ländlichen Raum zum Beispiel eher negativ behaftet ist, ist der öffentliche Nahverkehr. Denn die Busse fahren meistens nur zu den Schulzeiten und nicht nachmittags/abends, wenn sich Freunde treffen wollen. Ein Vorteil des Landlebens ist dafür, dass wir regionales Gemüse direkt vor der Tür haben.

Was hat Euch in Eurem Projekt am meisten Spaß gemacht?

Viel Spaß hat gemacht, die Holzschilder zu bauen und zu bemalen. Außerdem war es cool, die Ergebnisse am Ende mit dem Bürgermeister zu diskutieren. Dadurch hatten wir das Gefühl, dass wir gehört werden und dass unsere Arbeit nicht einfach nur so im Sande verläuft.

Wie wollt Ihr das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Mit dem Preisgeld wollen wir zum einen einen kleinen Gruppenausflug machen, um nochmal unser erfolgreiches Projekt zu feiern, und zum anderen, möchten wir das Preisgeld gerne in weitere Projekte zur Jugendbeteiligung stecken. Der Walk of Future war quasi der Auftakt für eine strategische langfristige Jugendbeteiligung in Cölbe. Wir möchten weiterhin Projekte, die junge Menschen animieren, sich für die Zukunftsfähigkeit ihrer Gemeinde einzusetzen, umsetzen. Von daher würden wir Spendengelder ebenfalls für die Weiterentwicklung und Verstetigung von Beteiligungsprozessen für Kinder und Jugendliche nutzen.

Was plant Ihr als Nächstes?

Für Anfang Dezember ist bereits ein Workshop mit Jugendlichen geplant, in dem es darum gesehen soll, welche Wünsche und Herangehensweisen Jugendliche aus Cölbe an einen langfristigen Jugendbeteiligungsprozess in ihrem Ort haben. Basierend darauf möchten wir dann im nächsten Jahr mit einem strategischen Beteiligungsprozess durchstarten.

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Digitaler Dorfkalender

Preisträger: Landjugend Glinstedt

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragt Ihr mit Eurem Projekt dazu bei?

Mit unseren Projekten stärken und fördern wir das aktive Dorfleben. Wir geben den Dorfbewohnern die Möglichkeit, sich an vielen Aktionen zu beteiligen. Dadurch schaffen wir es, dass aus vielen Einzelbeiträgen eine riesige Bereicherung für das ganze Dorf entsteht. Gerne dienen wir auch als eine Plattform, auf der sich die Dorfbewohner in gemütlicher Atmosphäre austauschen können. Insbesondere freut es uns, dass wir mit unseren Aktionen neue Ortsbürger bestmöglich in die aktive Dorfgemeinschaft integrieren können. Ebenso schaffen wir es, bei unseren Veranstaltungen eine attraktive Mischung aus Jung und Alt zu generieren.

Was hat Euch zu Eurem Engagement motiviert?

Das Dorfleben in Glinstedt ist geprägt von persönlichen Interaktionen. Mit Beginn des ersten Lockdowns wollten wir unbedingt einen Weg finden, um diesen wichtigen Baustein des aktiven Dorflebens aufrechtzuerhalten. Natürlich hat es uns auch motiviert, dass wir mit den durchgeführten Aktionen für Gesprächsstoff in den Häusern sorgen konnten und die Zeit im Lockdown schneller und amüsanter vergeht. Zusätzlich wollten wir den Leuten das Gefühl geben, dass die Landjugend Glinstedt auch in schwierigen Zeiten alle Hebel in Bewegung setzt, um ein aktives Dorfleben zu gestalten.

Habt Ihr mit dem digitalen Dorfkalender auch weniger technikaffine Menschen erreichen können?

Viele unserer Aktionen fanden als hybride Veranstaltung (Aktion in coronakonformer Gruppe + anschließende Videokonferenz) statt und wurden über einen Dorfzettel bekanntgemacht. Für die Videoanrufe haben wir detaillierte Anleitungen erstellt und an die Teilnehmer verschickt, um die Eintrittsbarriere zu schmälern. Ebenso haben wir eine eigene Störungshotline angeboten, um bei technischen Schwierigkeiten zu helfen.

Was hat Euch in Eurem Projekt am meisten Spaß gemacht?

Die Freude der anderen Menschen hat uns erfüllt! Viele haben auch nochmal ein persönliches Dankeschön ausgesprochen. Dies hat uns mit Stolz erfüllt. Auch die akribische Planung und Durchführung der verschiedenen Aktionen hat uns sehr viel Freude bereitet.

Wie wollt Ihr das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Mit dem Preisgeld und möglichen weiteren Spenden wollen wir der Dorfgemeinschaft etwas zurückgeben. Zum einen soll der Dorfgemeinschaftsraum modernisiert werden. Zum anderen wollen wir das Preisgeld nutzen, um ein Dorffest im Format eines Weihnachtsmarktes auf die Beine zu stellen.

Was plant Ihr als Nächstes?

Wir hoffen, dass die Corona-Situation sich in den nächsten Monaten positiv entwickelt und wir wieder vermehrt „in Person“ Veranstaltungen durchführen können. Der dörfliche Weihnachtsmarkt steht dabei als nächstes auf unserer Agenda.

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erzreporter

Preisträger: Medien ErZ Community

Der Tassilo Tröscher-Wettbewerb zeichnet Projekte aus, die das Leben der Menschen in ländlichen Regionen bereichern und verbessern. Wie tragt Ihr mit Eurem Projekt dazu bei?

2016 haben wir damit angefangen, das Erzgebirge mit informativen Beiträgen zu repräsentieren und vorzustellen. Mittlerweile engagieren wir uns nicht nur für die Region, sondern unterstützen seit 2018 auch regionale Spendenprojekte für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Verkaufsstände oder besondere Aktionen (Leinwände, Kalender oder Kleidung) werden dann verkauft oder versteigert und der Erlös fließt an unsere Spendenprojekte. Egal ob ein eigens organisiertes Spendenevent mit Livemusik, Tombola, Kuchenbasar oder ein Weihnachtsmarktstand – wir wollen handeln und unterstützen! Denn oftmals erhalten diese Menschen viel zu wenig Aufmerksamkeit, um aktiv am Leben teilzunehmen oder ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Uns als Team geht es gut – wir sind nicht körperlich eingeschränkt und können alles erreichen, aufgrund unserer Gesundheit oder unseres Wohlbefindens. Manche Menschen hingegen können nicht so gesund durch den Tag gehen, wie wir es täglich und mit einem Selbstverständnis tun – und deshalb wollen wir helfen!

Was hat Euch zu Eurem Engagement motiviert?

Tagtäglich begegnen wir hunderten von Menschen. Klein, groß, dick, dünn, gesund, behindert, jung, alt, deutscher Staatsangehörigkeit oder eines anderen Landes. Aber irgendwie sind wir alle gleich und besonders! Doch trotzdem ist es immer wieder traurig zu hören, wie sich die heutige Gesellschaft verändert und wie wenig doch manche Menschen beachtet werden. Gerade wenn es sich um Menschen mit Behinderungen oder sozialen Problemen handelt. Aber was macht den Unterschied? Warum nicht die Menschen mehr unterstützen, die wirklich mal Hilfe benötigen? Uns als Team erzreporter geht es tagtäglich gut – weil wir ein Dach über dem Kopf haben, Essen und Trinken können, bis wir platzen und vor allem GESUND sind. Viel zu oft sehen wir, dass benachteiligte Menschen auch benachteiligt bleiben und das geht uns gegen den Strich! Wenn es kein anderer tut, dann eben wir! Und mit unseren Aktionen wollen wir nicht nur den Projekten in der Umgebung helfen, sondern auch andere zum Handeln animieren. Eine Geldspende für eine wichtige Therapie oder ein paar wenige Sachspenden für bedürftige Menschen – dieses glückliche Lächeln jedes einzelnen Menschen schenkt uns tagtäglich mehr Motivation weiterzumachen – denn jeder kann helfen!

Wie werden die sozialen Projekte, die Ihr unterstützt, ausgesucht?

Wir versuchen jedes Jahr mit unserer Community zu interagieren, um nicht nur bestehende Projekte weiterhin zu unterstützen, sondern auch um neue Projekte kennenzulernen und unser Engagement auszuweiten. So wollen wir nicht nur Spendenprojekte mit Kindern unterstützen, sondern auch Initiativen wie die Tafeln bei uns in der Region – mehr Respekt entgegenbringen, mitzuhelfen und zu vermitteln. Gemeinsam im Team entscheiden wir dann in den ersten beiden Monaten des Jahres, welche Projekte wir unterstützen, wie, wann und wie lange. Aktuell hält es sich noch in Grenzen, soll aber in den nächsten Jahren weiterhin ausgebaut werden und in kleineren Arbeitsgruppen organisiert werden.

Was hat Euch in Eurem Projekt am meisten Spaß gemacht?

Uns macht es großen Spaß, selbst über unsere Grenzen zu gehen, anderen eine Freude zu machen. Von der Idee bis zur Planung und schlussendlich bis zur Umsetzung haben wir viel Spaß bei dem Ganzen. Täglich zu lernen, über den eigenen Schatten zu springen und kleine Dinge schätzen zu lernen – das macht uns am meisten Spaß. Aber das Schönste für uns ist, wenn der Empfänger oder die Empfängerin unserer gesammelten Spenden ein Lächeln im Gesicht hat und sich über das Endergebnis freut – unabhängig davon, ob Familie oder die Person selbst. Deshalb würden wir uns sehr freuen, wenn wir noch andere für einen solchen Einsatz animieren könnten – gerade junge Menschen.

Wie wollt Ihr das Preisgeld und weitere Spendengelder verwenden?

Das Preisgeld nutzen wir teilweise für weitere Spendenaktionen, um diese auf die Beine zu stellen. Gerade planen wir eine Vergrößerung unserer Modekollektion, bei der wir einen Teil an unsere Projekte spenden. Da wir regional produzieren lassen, belaufen sich die EK-Kosten im höheren Bereich, aber trotzdem wollen wir nachhaltig, regional und sozial unterstützen und 110 % Erzgebirge liefern. Einen anderen Teil des Geldes wollen wir allerdings direkt an unsere Spendenprojekte spenden. Außerhalb dieser Preisverleihung erhalten wir zwar Spendengelder – diese gehen aber zu 100 % an die Projekte und wandern nicht durch unsere Taschen – schließlich geht es uns gut in Bezug auf soziales Leben, Einkommen, Gesundheit und wir wollen lieber zu 100 % ehrenamtlich helfen.

Was plant Ihr als Nächstes?

Aktuell planen wir bereits unseren eigenen kleinen Store für die Erzgebirgskleidung, bei der wir nachhaltig, regional und sozial handeln wollen. Dadurch wollen wir unsere Verkäufe steigern und mehr für unsere Projekte sammeln. Außerdem wollen wir mit Weihnachtsmarktständen weitere Spenden sammeln und uns bereits auf neue Projekte für das Jahr 2022 einlassen und einige Ideen zur Umsetzung sammeln.

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