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Tassilo Tröscher-Preisträger*innen 2025
149 eingesandte Bewerbungen stellten die Jury auch diesmal wieder vor eine schwere Entscheidung. Am Ende konnten sich vier Projekte über eine Auszeichnung freuen. Der Tassilo Tröscher-Jugendpreis ging in diesem Jahr an das Ortsjugendwerk Schwarzatal. Die Preisträger*innen wurden im Rahmen der ASG-Herbsttagung am 29. Oktober 2025 in Göttingen ausgezeichnet.
Wildling Blumen – Aufblühen statt Verzagen
Lerchenbergmühle – Brücke zwischen Stadt, Land und nachhaltiger Lebensmittelverarbeitung
Zukunftssichere Lösung für das Leben der Älteren im ländlichen Raum
Ortsjugendwerk Schwarzatal – eine demokratische Jugendinitiative für den ländlichen Raum
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Wildling Blumen – Aufblühen statt VerzagenPreisträger: Wildling Blumen
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Wildling Blumen ist eine frauengeführte Gärtnerei im Markgräflerland in Baden-Württemberg, die nachhaltige Landwirtschaft mit sozialer Verantwortung verbindet. Der Betrieb von Gründerin Malin Lüth bietet eine Alternative zur globalisierten Blumenproduktion mit ihren ökologischen und sozialen Problemen. Er setzt auf biologischen, saisonalen Schnittblumenanbau, verzichtet auf Pestizide und nutzt wassersparende Anbaumethoden. Der während der Pandemie aufgebaute plastikfreie Onlineversand bringt frische Bioblumen deutschlandweit zu den Kund*innen.
Wildling Blumen richtet sich an Menschen, die bewusst nachhaltige, saisonale Blumen wählen, sowie an jene, die mehr über ökologischen und ressourcenschonenden Anbau lernen möchten. Rund um den Betrieb ist ein lebendiges Netzwerk und ein Ort des Lernens und des Austauschs entstanden – getragen von Frauen, die ihre Fähigkeiten einbringen und Selbstwirksamkeit erfahren. Ältere Frauen aus der Nachbarschaft beispielsweise helfen bei der Versandvorbereitung, Frauen in Umbruchphasen finden eine sinnstiftende Aufgabe und aus Kooperationen mit anderen Unternehmerinnen ist ein Kreis sich gegenseitig unterstützender selbständiger Frauen entstanden. Mit Workshops, „From Field to Vase“-Kursen und der „Blumenbar“ öffnet die Gärtnerei ihr Feld für alle, die Naturverbundenheit und Gemeinschaft suchen und verschenkt im Projekt „Aufblühen“ gemeinsam mit Kund*innen Blumen an Altenheime.
Nicht nur im Anbau werden Ressourcen geschont. Der Blumentransport vom Feld zur Werkstatt erfolgt seit zwei Jahren per E-Lastenrad. Die Werkstatt selbst wurde in einer stillgelegten Metzgerei eingerichtet, sodass bestehende Bausubstanz weiter genutzt wird.
Die Gärtnerei möchte weiter wachsen – nicht in Fläche, sondern in Wirkung: mehr Frauen einbinden, Wissen teilen und zeigen, dass kleine, bewusste Landwirtschaft ein zukunftsfähiges Modell ist. Wildling Blumen steht dafür, dass Schönheit, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit zusammen aufblühen können.
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Foto: Marcia Friese.
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Foto: Marcia Friese
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Foto: Marcia Friese
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Lerchenbergmühle – Brücke zwischen Stadt, Land und nachhaltiger LebensmittelverarbeitungPreisträger: Lerchenbergmühle GmbH
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Foto: Lerchenbergmühle
Foto: Lerchenbergmühle
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Die Lerchenbergmühle GmbH ist ein Dienstleistungszentrum für den regionalen Ökolandbau. Sie liegt ca. 15 km nordöstlich von Leipzig in der Gemeinde Jesewitz im ersten ökologischen Gewerbegebiet Sachsens. Seit Mai 2021 entsteht hier ein Ort, an dem moderne Müllerei, nachhaltige Verarbeitungsmethoden und regionale Wertschöpfung zusammenkommen. Ausgangspunkt war der Mangel an regionalen Verarbeitungsmöglichkeiten für Bio-Betriebe – verstärkt durch die Schließung der letzten Handwerksmühle im Raum Leipzig im Jahr 2020.
Die Lerchenbergmühle schließt diese Lücke: Sie bietet Vor- und Feinreinigung, Schälung, Sortierung, Röstung und Vermahlung von Vollkorngetreide, Leguminosen und Sonderkulturen an. Seit Dezember 2024 besitzt der Betrieb außerdem eine Zertifizierung als Aufbereitungsbetrieb für ökologisch erzeugtes Saatgut. Mit dem Produktionsstart stehen ökologisch wirtschaftenden Landwirt*innen neue Absatzwege zur Verfügung und sie können ihre Ernten wieder regional verarbeiten lassen. Auch Handwerksbäckereien und Direktvermarkter profitieren von hochwertigen Rohstoffen aus kurzen, transparenten Lieferketten.
Besonderen Fokus legt das Team auf die Verarbeitung von Leguminosen für die menschliche Ernährung, um den Einsatz dieser Pflanzen in der Region zu fördern. Darüber hinaus kooperiert die Mühle mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten, um neue, nachhaltige Verarbeitungsmethoden und innovative Produkte zu entwickeln.
Ein im Aufbau befindliches Mini-Café soll zu einem neuen Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft Jesewitz und ein attraktives Ziel für Besucher*innen aus der Region und aus Leipzig werden. Geplant sind Veranstaltungen und Bildungsangebote rund um ökologische Landwirtschaft, nachhaltige Ernährung und Müllerei.
Die Lerchenbergmühle verbindet in ihrem wachsenden Netzwerk u. a. regional ansässige Landwirtschaftsbetriebe und Bäckereien, Bildungsinitiativen und Forschungseinrichtungen. Sie zeigt, wie nachhaltige Verarbeitung, regionale Wirtschaftskreisläufe und ein lebendiger Austausch zwischen Stadt und Land neu gedacht werden können.
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Foto: Lerchenbergmühle
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Zukunftssichere Lösung für das Leben der Älteren im ländlichen RaumPreisträger: Generationenhilfe Börderegion e.V.
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In der Einheitsgemeinde Hohenhameln (Landkreis Peine, Niedersachsen) leben, verteilt auf elf Ortsteile, rund 10 000 Menschen, etwa ein Drittel davon älter als 60 Jahre – Tendenz steigend. Viele Senior*innen wohnen allein, sind in ihrer Mobilität eingeschränkt und finden vor Ort weder ausreichend barrierefreien Wohnraum noch eine verlässliche Versorgung. Familiäre Unterstützung ist auch im ländlichen Raum oft nicht mehr gegeben.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gründeten engagierte Bürger*innen 2012 den Verein Generationenhilfe Börderregion e.V. Ihr Ziel ist es, älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen und ihre Teilhabe am sozialen Leben zu stärken. Heute unterstützen 46 geschulte Ehrenamtliche hilfebedürftige Mitglieder mit alltagsnahen Hilfen. Die Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Stunde können sich die Helfenden entweder auszahlen lassen oder auf einem Treuhandkonto ansparen, um später selbst Unterstützung in Anspruch nehmen zu können – ein nachhaltiger Kreislauf gegenseitiger Fürsorge.
Aus der Erkenntnis heraus, dass Einsamkeit Ursache zahlreicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen ist, entstand 2013 zusätzlich die Begegnungsstätte „Mittelpunkt“ in Hohenhameln. Sie bietet ein vielfältiges, an den Wünschen der Gäste ausgerichtetes Programm, das allen Bürger*innen offensteht: 2024 fanden 458 Veranstaltungen mit über 5 000 Teilnehmenden statt.
Die Vereinsarbeit wird basisdemokratisch durch einen siebenköpfigen Vorstand, ein Programm- und ein Büroteam organisiert, die alle vollständig ehrenamtlich arbeiten. Mit mittlerweile 612 Mitgliedern wächst die Gemeinschaft kontinuierlich; 2024 wurden 2 429 Hilfeeinsätze geleistet. Die Gemeinde unterstützt das Projekt durch Zuschüsse zur Miete der Begegnungsstätte und für den vereinseigenen VW-Bus, mit dem die Senior*innen regelmäßig aus den Ortsteilen in den Kernort gefahren werden. Zudem beraten Vereinsmitglieder im Rahmen eines „Kümmerer-Projekt“ zu sozialen Fragen und wirken im kommunalen Arbeitskreis Seniorenbedarfsplanung an der Schaffung barrierefreien Wohnraums mit.
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Foto: Gisela Grote
Foto: Gisela Grote
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Foto: Gisela Grote
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Foto: Gisela Grote
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Ortsjugendwerk Schwarzatal – eine demokratische Jugendinitiative für den ländlichen RaumPreisträger Jugendpreis
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Foto: Ortsjugendwerk Schwarzatal
Foto: Ortsjugendwerk Schwarzatal
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Rechtspopulistische Akteure richten ihre Ansprache gezielt auf Jugendliche. Das zeigt sich nicht nur im Wahlverhalten, sondern zunehmend auch im Alltag: Rechte Gruppen bieten Freizeitangebote, Zugehörigkeit und feste Freundeskreise und binden so junge Menschen an sich. Für diejenigen, die sich ein offenes Miteinander, Vielfalt und eine demokratisch geprägte Jugendkultur wünschen, fehlen in vielen Orten oft passende Alternativen und echte Perspektiven.
Genau hier setzt das Ortsjugendwerk Schwarzatal (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thüringen) an. Die Initiative entstand Anfang 2024 mit dem Bestreben, Kinder und Jugendliche niedrigschwellig zu erreichen, sie bei eigenen Ideen zu unterstützen und Zukunftsperspektiven für junge Menschen im Schwarzatal sichtbar zu machen. Statt einen Jugendverband nur in einem einzelnen Ort aufzubauen, wurde bewusst ein ortsübergreifender Ansatz gewählt, um Jugendliche aus mehreren Gemeinden zusammenzubringen. Im Oktober 2024 gründeten 13 Jugendliche offiziell das Ortsjugendwerk Schwarzatal und wählten einen dreiköpfigen Vorstand. Bereits zuvor hatten sie junge Menschen vernetzt und gemeinsame Aktionen organisiert. Nach der Gründung wurden erste Projekte umgesetzt, darunter die partizipative Planung und der Bau einer Boulderwand am Jugendraum in Schwarzburg in Kooperation mit einem weiteren Verein sowie ein überörtlicher Ausflug.
Ziel der Initiative ist es, im ländlichen Raum sichere Jugendräume zu schaffen und zu stärken, in denen Gemeinschaft, Mitbestimmung und Vielfalt im Mittelpunkt stehen. In einigen bestehenden Jugendräumen fühlen sich nicht alle Jugendlichen willkommen oder sicher. Durch die immer nur negativen Nachrichten und die Entwicklung der Region entsteht für viele Jugendliche eine Negativ- und Radikalisierungsschleife, in der populistische oder extremistische „Lösungen“ als einzige Auswege erscheinen. Das Ortsjugendwerk versucht, diese Dynamik durch positive, niedrigschwellige Angebote zu durchbrechen: ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen oder Stempel aufzudrücken, sondern indem möglichst viele Jugendliche über Projekte, Feste und gemeinsame Ideen an demokratisches Engagement und eine Zukunft in der Region herangeführt werden. Der Verband hat inzwischen Mitglieder aus drei Orten im Schwarzatal, weitere Jugendliche beteiligen sich informell und die Zusammenarbeit mit der mobilen Jugendarbeit des Landkreises wächst.
Für 2026 sind bisher einige Freizeitaktivitäten und eine Fahrt in die Gedenkstätte Buchenwald fest geplant. Weiter soll ein Projekt angestoßen werden, um das Jugendwerk auch in anderen Orten des Schwarzatals bekannter zu machen und Jugendliche zu motivieren und zu qualifizieren, ihre eigenen Jugendräume zu betreiben. Auch im realen Leben und in den sozialen Medien will die Initiative lauter und präsenter werden.
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Foto: Ortsjugendwerk Schwarzatal
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